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Red Steel

Mit Red Steel hatte Ubisoft einen der Most-Wanted-Titel auf der Liste der Launchgames für Wii. Ob das Spiel dem Hype gerecht wird, erfahrt ihr hier:

Vom Bodyguard zum Mafiaboss
Auch wenn Red Steel eigentlich ein Ego-Shooter ist, wird - wie in fast allen neueren Vertretern des Genres - auch vermehrt Wert auf eine möglichst interessante Storyline gelegt. Die Hintergrundgeschichte von Red Steel ist dabei gar nicht mal so schlecht gelungen: Der Spieler schlüpft in die Rolle des Verlobten von Miou, die wiederum die Tochter des Bosses der japanischen Yakuza-Mafia ist. Bereits kurz nach Spielbeginn wird Miou allerdings entführt und der Spieler auf die Suche nach seiner Geliebten geschickt. Wer jetzt allerdings eine Story alla Maio erwartet und denkt, das Retten der Herzdame wäre alles, was die Story zu bieten hat, wird glücklicherweise enttäuscht. Im Verlauf des Spiels wird der Spieler immer weiter in den Konflikt der verschiedenen Mafia-Gruppierungen verwickelt, die unter Leitung ihres Anführers Tokai versuchen, die Machtverhältnisse zu kippen. Mit dem Katana von Mious Vater Sato in der einen und der Pistole in der andern Hand liegt es nun am Spieler, die Clans wieder unter Satos Namen zu vereinen, dem aufmüpfigen Tokai das Handwerk zu legen und ihm nebenbei auch noch die eigene Verlobte wieder zu entreißen.

Schwertkampf für Jedermann
Red Steel hebt sich auf den ersten Blick durch die Schwertkampf-Einlagen hervor, die das Herz vieler Gamer sicher schon im Vorfeld höher schlagen lassen. Tatsächlich stellen die Schwertkämpfe Mann gegen Mann (gelegentlich aber auch Frau) einen der zentralen Aspekte des Spiels dar, dennoch besteht das Spielprinzip von Red Steel hauptsächlich aus klassischen Ego-Shooter-Elementen, die nur gelegentlich durch ein Duell mit dem Katana aufgelockert werden. Der Spieler kämpft sich dabei also durch die linear aufgebauten Level und räumt mithilfe aller klassischen Waffen wie Pistolen, Pumpgun oder Schnellfeuergewehren jeden aus dem Weg, der einen feindseligen Eindruck macht.
Dabei gibt es allerdings auch einige Neuerungen, wie beispielsweise die Freeze-Leiste. Mit der Energie, die auf dieser Leiste gesammelt wird, kann der Spieler das Spielgeschehen kurzzeitig "einfrieren" und Ziele markieren, die daraufhin direkt nacheinander und in kürzester Zeit automatisch beschossen werden. So kann der Spieler mehrere Gegner trotz Überzahl effektiv bekämpfen oder auch entwaffnen.
Das Entwaffnen ist generell sehr vorteilhaft, da es mit "Respect-Points" belohnt wird, die unter anderem auch wieder Freeze-Energie und zusätzliche Munition bescheren können. Insbesondere beim Kampf gegen eine Gruppe mit einem Anführer empfiehlt es sich, letzteren direkt zu entwaffnen, da dieser dann seinen Untergebenen befiehlt, sich ebenfalls zu ergeben und einem so ein möglicherweise schwieriger Kampf erspart bleibt. In Sachen Lebensenergie löst sich Red Steel von der klassischen Variante mit den Lebenspunkten und setzt stattdessen auf einen Energiebalken, der sich nach ein paar Sekunden ohne Treffer wieder auffüllt. Das bedeutet also, dass man den Game Over-Screen nur zu Gesicht bekommt, wenn man zu viele Treffer in kurzer Zeit einsteckt. Während eines Schwertkampfes füllt sich die Lebensernergie allerdings nicht wieder auf, was auch sinnvoll ist, um permanentem Blocken oder Ausweichen vorzubeugen. Schwertkämpfe stehen erfreulich oft an und bieten eine willkommene Abwechslung zu den Ego-Shooter-Sequenzen. Im Kampf kann der Spieler entweder selbst angreifen, parieren, ausweichen oder eine der diversen Spezialbewegungen ausführen. Gekämpft wird auch hier natürlich mithilfe der Wii-Fernbedienung plus Nunchuk. Ist ein Gegner besiegt, kann der Spieler selbst entscheiden, ob er den Gegner verschonen will oder ihm lieber endgültig den Rest gibt. Da besiegte Gegner im Austausch gegen ihr Leben Respect-Points rausrücken oder gelegentlich auch mal eine Schutzweste, ist es eigentlich immer besser, sie zu verschonen, da sie sowieso einfach verschwinden, anstatt wieder nach der Waffe zu greifen. Einen Gegner endgültig niederzustrecken hat leider außer dem eigenen Aggressionsabbau keinerlei Vorteile.

Wiimote-Krieger
Gespielt wird Red Steel mit der Wiimote und dem Nunchuck: Mit der Pointer-Funktion zielt der Spieler auf den Bildschirm und feuert dann mit dem einem Abzug nachempfundenen B-Knopf auf seine Gegner. Der Control-Stick dient wie eh und je um sich im Spiel zu bewegen, während man mit dem Steuerkreuz die Waffen auswählt. Auf den verbleibenden Tasten befindet sich alles, was noch fehlt, wie Ausweichbewegungen, Nachladen oder Zoomen. Innerhalb der Spielwelt interagiert der Spieler aber hauptsächlich mit der Wii-Fernbedienung oder dem Nunchuk selbst. So werden Türen geöffnet oder Tische umgeworfen mithilfe der passenden Bewegung des Nunchuck, während der Spieler mit der Wiimote zielt oder sich umsieht. Auch Granaten können ganz wie im richtigen Leben geworfen oder gerollt werden. Außerdem kann der Spieler per Fernbedienung in Gesprächen auch Nicken oder den Kopf schütteln. Bis dahin alles noch ganz nett, der wahre Kern der Wiimote-Steuerung liegt neben dem Zielen aber in den Schwertkämpfen. Hier schwingt der Spieler nun mit der Wii-Fernbedienung sein Schwert und benutzt eine zweite Klinge zum Blocken mit Hilfe des Nunchucks, bewegt wird sich allerdings weiterhin per Controllstick. Nun kann der Spieler neben diversen Schlägen durch die passende Kombination aus Knopfdruck und Bewegungen auch ausweichen und verschiedene Spezialangriffe ausführen, die dem Gegner viel Lebensenergie kosten oder sein Schwert beschädigen. Gelingt es so, das Schwert des Gegners zu zerbrechen, ist der Kampf ebenfalls vorbei und der Gegner muss sich ergeben. Das Ganze kann dem Spieler aber auch selbst widerfahren, wenn er versucht, besonders starke Angriffe zu parieren. Auf diese Weise zu kämpfen - egal ob mit einer Schusswaffe oder dem Schwert - ist das, was Red Steel wirklich von den meisten anderen Ego-Shootern abhebt und macht auch wirklich recht viel Spaß. Zwar kommt Red Steel damit noch nicht an die hervorragende Bedienbarkeit eines PC-Ego-Shooters heran, sticht aber dennoch jeden normalen Konsolen-Ego-Shooter aus.
Bedauerlicherweise liegt hier auch fast das gesamte Frustrationspotential des Spiels, da der Einstieg äußerst schwierig ist und man auch als erfahrener Spieler mehrere Stunden braucht, um wirklich sicher kämpfen zu können. Hinzu kommt noch, dass die Steuerung nicht ganz ausgereift ist und man sich beim Zielen schnell mehr dreht, als man eigentlich wollte und so sein Ziel aus den Augen verliert oder sogar selbst das Zeitliche segnet. Auch im Schwertkampf fallen gewisse Mängel auf, da das Schwert auf der einen Seite sehr präzise den Schlag des Spielers erkennt, diesen aber leider nur leicht verzögert ausführt, was bei vielen Angriffen dann schnell dazu führt, dass man recht planlos auf den Gegner eindrischt. Da Red Steel aber eines der ersten Wii-Spiele ist, kann man auf einen vielversprechenden Nachfolger hoffen, bei dem diese Mängel dann hoffentlich ausgemerzt wurden, wenn die Entwickler mehr Zeit und mehr Erfahrung mit der Wii-Fernbedienung haben.

Schauplatz
Red Steel spielt hauptsächlich in Japan und bietet dem Spieler durchaus schöne Schauplätze. Dabei gibt es neutrale Orte, die überall auf der Welt zu finden sein könnten und Orte, die bewusst sehr stark im asiatischen Stil gestaltet sind. Das Leveldesign wirkt insgesamt überzeugend und gut durchdacht, allerdings muss man sich klar machen, dass auch Red Steel grafisch nicht mit den Referenztiteln des Genres mithalten kann, was bei der Wii-Hardware aber auch verständlich ist. Allerdings soll das nicht heißen, dass Red Steel den Wii bereits voll auslastet, da auch das nicht der Fall ist. Insgesamt ist Red Steel meistens aber doch sehr schön anzuschauen, da viele Schauplätze wirklich gut gestaltet sind und auch sehr lebendig wirken. Dass viele Gegenstände in den Leveln zerstört oder in einzelne Stücke zerschossen werden können, unterstützt den lebendigen und dynamischen Eindruck des Designs noch weiter. Teil eines Leveldesigns sind natürlich auch die darin plazierten NPCs: Auch hier kann Red Steel durchaus überzeugen, da die Menschen durchweg gut gestaltet sind und auch deren Bewegungsabläufe überzeugen können. Allerdings tauchen Gegner teilweise recht oft auf, was bei maskierten Ninjas okay sein mag, aber bei Menschen, deren Gesicht man sehen kann, ein wenig unglaubwürdig wirkt, wenn sie gleichzeitig auftauchen oder nach ihrem Ableben plötzlich wieder um die Ecke kommen. Abschließend lässt sich sagen, dass Red Steel zwar nicht gerade fotorealistische Grafik bietet, sich aber durchaus sehen lassen kann und wirklich lebendiger wirkt als manch anderer Ego-Shooter.

Taktvoll
Vom Sound her hat Ubisoft bei Red Steel keine halben Sachen gemacht und spendiert eine (leider selbst heutzutage noch) vorbildliche deutsche Synchronisation. Die Soundeffekte im Spiel sind ebenfalls alle passend gewählt, nutzen auch den Lautsprecher der Wiimote auf sinnvolle Weise und bringen den Spieler so näher ans Spielgeschehen. Die Musik passt gut zum Spiel und passt sich dem aktuellen Spielgeschehen an, wodurch das positive Bild vom Sound abgerundet wird. Insgesamt also nichts Weltbewegendes, aber dennoch eine solide Leistung.

Kritik
Ein großer Kritikpunkt, mit dem Red Steel steigt und fällt, ist die Steuerung, die zum einen das Spielen von Ego-Shootern auf der Konsole erleichtert und zum anderen dem Spieler die Möglichkeit bietet, endlich mal richtig mit dem Schwert zu kämpfen. Auf der anderen Seite ist die Steuerung leider noch etwas unausgewogen und erschwert das Spielen auch gerne mal. So lassen sich die im Spiel integrierten Kombinationsangriffe nur sehr schwer ausführen, da die Steuerung mal zu träge und mal zu präzise reagiert - ähnlich ist es beim Zielen. Der bereits erwähnte schwierige Einstieg macht es gerade Anfängern und Spielern, die nicht unbedingt Fans des Genres sind, noch mal besonders schwierig. Positiv ist allerdings, dass sich ein wenig vom klassischen Ego-Shooter-Prinzip gelöst wurde und das Spiel ein paar neutrale Orte bietet und nicht komplett linear ist. Die Schwertkämpfe sind zusätzlich noch eine nette Abwechslung zur sonstigen Ballerei. Auch dass alle anderen Neuerungen sehr sauber umgesetzt wurden und wie beispielsweise die "Freeze-Energie" auch durchaus sinnvoll sind, ist lobenswert

Fazit
Ingesamt kann Red Steel durchaus überzeugen und ist einer der besten Wii-Launchtitel. Die solide Storyline, die schöne Gestaltung, der Verzicht auf technische Patzer und das gute Gameplay ergeben zusammen eine gute Mischung. Leider kann das Spiel dem Hype nicht ganz gerecht werden, da die Steuerung zwar durchaus gelungen ist, aber die heiß erwarteten Schwertkämpfe leider nicht so spaßig ausfallen lässt, wie erwartet. Das mag eventuell auch daran liegen, dass die Ego-Perspektive nicht die beste oder zumindest eine bisher noch kaum genutzte Darstellungsweise für einen Schwertkampf ist. Abschließend lässt sich sagen, dass Red Steel zwar wirklich ein gutes Spiel ist, aber leider nichts wirklich Weltbewegendes und sich deswegen nicht in die Riege der Toptitel einreihen kann.

Vielen Dank an Ubisoft für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

- Skuzy
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Pro - Kontra Wertung
Pro
  - Gute Umgesetzung
  - Deutsche Synchronisation
  - Schwertkämpfe
  - Stimmig
  - Ausgewogener Schwierigkeitsgrad
Kontra
  - Unausgereifte Steuerung
  - Etwas kurz
Spielspaß Singleplayer 45 /  50 Punkte
Grafik   15 /  20 Punkte
Sound   14 /  15 Punkte
Steuerung   11 /  15 Punkte
Insgesamt Singleplayer 85 / 100 Punkte
Innovationsfaktor: (3 / 5)
Spielspaß:
Singleplayer 85% 
Multiplayer --
Titel Red Steel
System Wii
Genre Ego-Shooter
Release JP 02.12.2006
Release US 19.11.2006
Release EU 08.12.2006
Entwickler Ubisoft Paris
Publisher Ubisoft
ESRB T
USK ab 18
PEGI 16+
Spieler 1 - 4
Online nein
Innovationsfaktor 3 / 5
Sprache Multilingual (u.a. Deutsch)
Speicherplatz 3 Blöcke
Spielstände 3
Schwierigkeitsgrad Mittel
Screenshots









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