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Far Cry Vengeance

Vorgeschichte
Als FarCry für den PC anno 2004 auf den Markt kam, erzeugte es Weltweit großes Aufsehen. Riesige Tropenlandschaften in atemberaubender Grafik und Action am laufenden Band fesselten damals Spieler weltweit. Es folgte eine 64 Bit-Version mit noch mehr Details und besseren Texturen sowie ein HDRR-Patch, mit dem entsprechende Grafikkarten "High Dynamic Range Rendering" aktivieren konnten, das durch imposante Ausleuchtung dem Spiel noch einmal einiges mehr an Atmosphäre und visueller Qualität verpasste.
Als klar wurde, dass Ubisoft an einem FarCry für Nintendos neue Wunderkiste bastelt, war die Freude bei vielen Fans natürlich entsprechend groß. FarCry Vengeance ist ein Spiel von dem auch ich mir persönlich einiges erhofft habe.
Dass man angesichts der Wii-Hardware natürlich nicht im Ansatz von der Qualität, wie sie auf dem PC geboten wird ausgehen darf, war klar, doch solange das Spiel dahinter stimmt, soll das kein Hindernis sein.
Allerdings: Seit das Spiel veröffentlicht wurde, wird es von den Kritikern rund um den Globus regelrecht zerfleischt. Diese Review wird klären, ob auch wir unsere Beißer der Kritik in dieses Spiel hauen dürfen.

Die Formalitäten
FarCry wird mit der Wii-Fernbedienung sowie dem Nunchuck gespielt. Für den Multiplayer-Modus benötigt man logischerweise jeweils zwei davon. Natürlich unterstützt das Spiel die üblichen 50- und 60Hz-Modi, sowie den 480p Modus der Wii.
FarCry Vengeance spielt quasi nach dem ersten Teil und setzt mehr oder weniger auf dessen Handlung auf. Doch bevor es losgeht, hat man erst einmal die Möglichkeit ein Profil mit eigenem Namen zu erstellen oder sich für das bereits angelegte "Jack"-Profil zu entscheiden. Der Spieler steuert Jack Carver, der auch im PC-Erstling die Hauptfigur war. Jack wurde in FarCry mit einem Serum infiziert, das bis heute durch seinen Körper fließt und ihm Fähigkeiten verleiht, die ihn von jedem normalen Menschen deutlich abheben. Nach den Geschehnissen von FarCry versucht Jack nun sein Leben mehr oder weniger wieder in geordnete Bahnen zu lenken, was allerdings ständig schief geht, so dass er immer wieder in großen Problemen landet. Es gibt drei Personen mit denen Jack im Spiel mehr oder weniger zu tun haben wird.

  • Kade, eine recht sportliche Dame, die als Waffenschmugglerin arbeitet und ein gutes Händchen dafür hat, gemeinsam mit Jack von einer Katastrophe in die nächste zu stürzen.
  • Kien Do, die rechte Hand des Gouverneurs der Region
  • Semeru, ein mystischer Kerl, der immer wieder auftaucht, Jack ein bisschen am Kragen packt und dann wieder verschwindet.

Die Steuerung
Die Steuerung ist ganz klar das Sahnestück des Spiels und so einfach zu erlernen, das nicht einmal im Handbuch ein Vermerk diesbezüglich vorhanden ist.
Startet man das Spiel, so wird in animierten Bildeinblendungen detailliert beschrieben, wie man das Spiel zu steuern hat. Beispielsweise springt man, indem man einfach den Nunchuck kurz anhebt oder zoomt mit dem Scharfschützengewehr heran, indem man die Wiimote kurz in Richtung Fernseher bewegt. Der Analogstick des Nunchucks dient der generellen Fortbewegung von Jack, das Steuerkreuz der Wii-Fernbedienung der Waffenwahl (links und rechts) sowie dem Ducken und Hinlegen.
Auch der Spielbildschirm ist übersichtlich und aufgeräumt. Unten links ist die Predatorin-Anzeige, rechts das Radar sowie die Munitionsanzeige. In der Mitte der oberen Bildschirmhälfte befindet sich der Kompass an dem – wie auf dem Radar auch - durch eine blaue Markierung der zu erreichende Wegpunkt angezeigt wird.

Die Sache mit den Hormonen
Shooter laufen mehr oder weniger immer nach dem gleichen Prinzip ab: Renn durch das Level, knall die bösen Kerle ab und erreiche den Zielpunkt.
Viele Entwickler versuchen dieses Einerlei an Rumgeballer mit zusätzlichen Elementen im Spiel etwas zu "würzen", so auch in diesem Fall. Hier geht es primär um den Hormonhaushalt des guten Jack. Doch wer nun glaubt, man würde hin und wieder ein paar heiße Bräute über den Bildschirm schwirren sehen, irrt. In diesem Fall geht es nämlich um das Stress-Hormon "Predatorin", das sich entweder durch Kopfschüsse oder durch das Erlegen des Gegners durch eine mitgeführte Machete aufbaut. Ist die Predatorin-Anzeige voll, kann man durch drücken des A-Knopfes in den Raubtier-Modus wechseln. In diesem hat Jack besondere Fähigkeiten, die ihm für eine kurze Zeit das Leben um einiges erleichtern. So kann er zum Beispiel im Dunklen sehen, über ansonsten unpassierbare Wege klettern und Gegner durch eine gelbe Aura schon von weitem sehen. Diese kann er dann mit einem Schlag töten, so dass letztere auch immer mit einem lauten Knall etliche Meter durch die Luft fliegen - das macht richtig Laune und ist eines der wenigen Spaß-Momente im Spiel.

Der Spielerische "Alltag"
Hat man sein Profil erstellt und den Story-Modus gestartet, findet man sich in einem Strandcafé einer tropischen Insel wieder. Der Spieler in Form von Jack sitzt an der Bar und schlabbert an einem Cocktail, als Kade auf ihn zu geht und ihn anspricht. Nach 2,5 gewechselten Worten kommen zwei Polizisten ins Cafe, hauen Jack eine runter und schleppen ihn mit auf die Wache.
Hier bekommt der Spieler zum ersten mal Kontrolle über das Geschehen, darf sich befreien und ab diesem Zeitpunkt geht es eigentlich nur noch darum, jeweils die Wegpunkte zu erreichen und um jeden Preis am Leben zu bleiben. Und leider fallen einem auch sofort so gut wie alle Schwächen des Spiels auf. Die anstürmenden Wachen sehen allesamt gleich aus, schreien teilweise drei- bis viermal die gleichen Sätze, wie: "Das ist dein Ende!". Das nervt tierisch und die Wachen bewegen sich durch die ebenfalls schwammig texturierten Levels, als hätte man ihnen einen Stock in den Hintern geschoben. Dieses "Spielgefühl" hält sich leider das gesamte Game hindurch. Daran ändern auch die matschigen Texturen der Tropenlandschaft nichts, die außer viel Weitsicht absolut nichts positives zu bieten hat.
Aufgelockert wird das ganze lediglich durch mehr oder weniger abwechslungsreiche Zwischenaufgaben, wie zum Beispiel einer Fahrt in einem Jetski, Jeep oder APC mit dicker Kanone darauf, die meist daraus bestehen, die gegnerischen Jeeps etc. zu zerstören oder ein bestimmtes Objekt für eine bestimmte Zeit zu beschützen. Auch darf man sich hier und da rumstehenden, stationären Geschützen wie MG-Stellungen und Granatwerfern bedienen, um mit dem Feind zurechtzukommen.
Überschreitet man gewisse Punkte im Spiel, wird automatisch zwischengespeichert. Die KI der Gegner ist ebenfalls durchwachsen, teils wird man durch Bäume hindurch erschossen, dann wieder kann man sich gemütlich neben einen der Bösewichte stellen und es passiert gar nichts. Hin und wieder gibt es einige recht amateurhaft wirkende Zwischensequenzen, die die doch recht magere "Story" weitererzählen.
Und wer glaubt, die Spielfiguren würden auch nur ansatzweise so aussehen wie in den Ladescreens oder der Anleitung, irrt sich gewaltig.
Aus einer recht gerissen wirkenden Kade wird im Spiel ein mieser Lara Croft-Verschnitt mit abgehackter Stupsnase und lächerlicher Stimme. Jack selbst hört sich an wie ein unmotivierter Staubsauger-Verkäufer im Ruhestand. Einzig Kien Do sieht halbwegs vernünftig aus und hört sich glaubwürdig an, was aber eher daran liegt, dass man bei einem Boss im Anzug samt dicker Sonnenbrille eigentlich auch gar nix falsch machen kann.

Multiplayer - oder was Ubisoft dafür hält
Nintendos neuestes Meisterwerk ist bekanntlich nun auch voll Internet fähig und kann via WLAN sogar drahtlos auf selbiges zugreifen. FarCry wiederum wirbt mit einem Multiplayer-Modus, der einem in der ersten Sekunde durchaus ein Lächeln aufs Gesicht drücken könnte.
Doch wer nun glaubt, man könne sich via Internet in schnellen Matches mit Spielern aus aller Welt die Kugeln um die Ohren knallen, ist leider falsch gewickelt. Der "Multiplayer-Modus" von FarCry ist nichts anderes als ein Spieler-gegen-Spieler-Mode mit geteiltem Bildschirm. Dieser hat zwei Modi - einmal den Chaos-Mode, in dem der gewinnt, der am meisten Kills gemacht hat und dann den Raubtier-Modus, in dem man zusätzlich versuchen muss, so schnell wie möglich in den Raubtier-Modus zu kommen.
Das klingt alles recht "bekannt", ist es auch und spielt sich entsprechend kurzweilig und öde.

Techtel-Mechtel
Über Grafik, Sound und Co. könnte man bei FarCry Vengeance seitenweise Kritik schreiben. Allerdings würde das den Rahmen dieser Review sprengen, somit fasse ich das wichtigste zusammen.
Über die Grafik kann man nur sagen: Hundsmiserabel!
Ich weiß nicht, was die Entwickler bei Ubisoft in ihren Kaffee tun, aber um so einen Mist zu veröffentlichen, muss es die Wahrnehmung der Realität deutlich trüben. Die Animationen sind allesamt wackelig und unrund, die Texturen total niedrig aufgelöst und vermatscht. Sämtliche "Physik-Effekte" laufen nach gescripteten Vorgängen ab und rollen dann doch mal ein paar Baumstämme physikalisch "berechnet" den Hang herunter, ruckelt gleich das ganze Spiel dermaßen, dass man sich teilweise wie bei einer Diashow vorkommt. So ein Detail-Level wäre vielleicht bei einem Tomb Raider von anno 1997 akzeptabel gewesen, 2007 schießt sich Ubisoft damit allerdings direkt in den Olymp der Lächerlichkeit. Das einzige was halbwegs passt, ist die Sichtweite - und selbst die sieht mangels Details und niedrig aufgelöstem Textur-Matsch zum Vergessen aus.
Bein Sound sieht es leider keinen Deut besser aus, ständig werden irgendwelche völlig unpassende Soundeffekte abgespielt. Ein Beispiel: Schießt man einen Gegner ins Nirwana, macht dieser Keuchgeräusche, als wäre er gerade einen Marathon gelaufen. Nicht selten stand ich vor dem TV und fragte mich "Hä? Was soll denn das jetzt?". Und die Musik, ja die (oder das was man so nennen kann - oder soll) besteht aus Samples, die nicht nahtlos in andere Stücke übergehen, sondern jedes mal mit einer eine bis zwei Sekunden dauernden Pause unterbrochen werden, nur um nicht zu selten einfach noch einmal von vorne gespielt zu werden. Hat man sich so einen "Loop" zwei- bis dreimal in einem Level angehört, möchte man am liebsten den Ton ganz ausstellen, um vor dieser akustischen Umweltverschmutzung verschont zu bleiben.
Die Sprecher aus den Zwischensequenzen sind ebenfalls grottig. Lustlos und ohne anständige Betonung "lesen" sie dem Spieler ihre Texte vor und spätestens hier ist auch der letzte Funken Spielspaß erfolgreich vernichtet worden.
Doch wer glaubt, das wäre alles irrt leider gewaltig. Denn auch sonst sind die Levels selbst voller "Gefahren", die aus der Unfertigkeit des Spiels entstanden sind. Oft bleibt man bei einer Brückenpassage einfach in einer unscheinbaren Lücke "hängen" und kommt nicht mehr raus. Die Lösung? Speicherpunkt laden und die letzten 15 Minuten Spielzeit wiederholen. Ganze viermal stürzte das Spiel zudem während der Testphase ab und erzwang somit einen Reset der Konsole - vom verlorenen Spielfortschritt will ich hier gar nicht erst reden.
Um das ganze nicht auf meine Wii und ein evtl. vorhandenen technischen Fehler zu reduzieren, habe ich das Spiel auch auf einer zweiten Wii eines Bekannten laufen lassen: mit dem gleichen Ergebnis. Bleibt als einziger Lichtblick die Steuerung und der aufgeräumte Spielbildschirm.

Fazit: Unausgereifter Beta-Schrott
Ein ziemlich hartes Urteil könnte man meinen, doch mit all den Macken, die dieses Spiel hat, ist selbst das noch reichlich milde gewählt.
Dabei wäre das eigentlich gar nicht nötig. Denn FarCry Vengeance ist ein Spiel, das durchaus das Zeug dazu hätte, eine Wertung im 80%-Bereich zu erhalten - wäre es denn fertig im Sinne von fertig.
Die Ansätze sind in jedem Fall klasse (vor allem der Predatorin-Mode), doch die Umsetzung ist eine einzige Katastrophe. Die einzige Empfehlung, die ich aussprechen kann, ist die Finger von diesem softwaretechnischen Totalschaden zu lassen, es sei denn, man kann mit den extremen Macken die dieses Spiel hat leben.
Den Todesstoß für mich persönlich hat sich das Spiel allerdings selbst gegeben. Fast am Ende des Spiels angelangt, stürzte es erneut ab und riss dieses mal den Spielstand gleich mit ins Nirwana. Folge? Alles noch einmal neu - seitdem steht es im Schrank und wird auch dort bleiben.
Ein paar Monate mehr Zeit für Feintuning hätten bei diesem Spiel Wunder gewirkt. Sein Geld ist es jedenfalls absolut nicht wert. An die Adresse von Ubisoft kann ich deshalb auch nur ein erstauntes Kopfschütteln senden, hier ist ein Titel mit viel Potential ganz klar der Schublade "Hauptsache Launchtitel" zum Opfer gefallen.

- Soundwave
Diese Review wurde 139 mal gelesen
Pro - Kontra Wertung
Pro
  - Gute Steuerung
  - Teilweise recht unterhaltsam ...
Kontra
  - ... kommt aber fast nie vor
  - Grottenschlechte Technik
  - Multiplayer nicht der Rede wert
  - Unausgereifter Gesamteindruck
Spielspaß Singleplayer 15 /  50 Punkte
  Multiplayer 15 /  50 Punkte
Grafik   10 /  20 Punkte
Sound   5 /  15 Punkte
Steuerung   15 /  15 Punkte
Insgesamt Singleplayer 45 / 100 Punkte
  Multiplayer 45 / 100 Punkte
Innovationsfaktor: (3 / 5)
Spielspaß:
Singleplayer 45% 
Multiplayer 45% 
Titel Far Cry Vengeance
System Wii
Genre Ego-Shooter
Release JP tba
Release US 05.12.2006
Release EU 28.12.2006
Entwickler Ubisoft Montreal
Publisher Ubisoft
ESRB M
USK ab 18
PEGI 16+
Spieler 1 - 2
Online nein
Innovationsfaktor 3 / 5
Sprache Multilingual (u.a. Deutsch)
Speicherplatz 47 Blöcke
Spielstände 5
Schwierigkeitsgrad Mittel
Screenshots







© 2003-2007 Florian Esser